Trauerarbeit für Hinterbliebene

Immer wieder habe ich viele innige Gespräche mit Hinterbliebenen. Der Tod hat ihnen einen lieben Menschen genommen. Der Fakt ist klar, vielleicht war es sogar logisch. Lange Krankheiten haben den Verstorbenen aus dem Leben gleiten lassen.

Selbst wenn der Tod plötzlich und unvorbereitet eintritt, irgendwie war schon einige Zeit etwas in Unordnung. Niemand konnte es benennen und auch selten ansprechen.

Dann ist es passiert. Der Tod reißt in seiner Endgültigkeit ein Loch in die Herzen der Hinterbliebenen.

Hier zum Anhören:

 

Was tun, wenn alles getan ist?
Alle organisatorischen Pflichten sind erfüllt. Das Begräbnis vorbei, die guten Wünsche werden weniger, der Raum ist leer und niemand mehr da, den du fragen kannst.

Jetzt also soll dein Leben weitergehen. Es stellt sich die Frage: „wie soll ich weitermachen?“

Dein Herz ist hin und hergerissen zwischen der Logik da ja jedermann und jedefrau einmal sterben muss und der emotionalen Frage warum jetzt?

Bin ich schon bereit ohne Vater und Mutter zu leben? Wenn die Zeit vergeht wird es dann besser wie alle sagen?
Ich sage: Nein!
Deine Seele kennt ja keine Zeit. Jetzt vielleicht Monate oder Jahre danach kommst du erst in die Tiefe Phase des Loslassens.
Jetzt erst melden sich all deine ungenährten Energielöcher deiner Seele.

Dein inneres Kind protestiert:
Es ist kalt…. leer….verlassen.
Wer wird mich jetzt halten?
Wer beschützt mich, wenn ich falle?
Wie soll ich ohne z.B. Eltern weiterleben?
Kann ich das überhaupt?
Woher bekomme ich meine emotionale Nahrung?
Und letztendlich …
Wer liebt mich jetzt wirklich?
Von Eltern erwarten wir ja uneingeschränkte Liebe.
Ist das wirklich so? Und ist es so geschehen in deiner Kindheit?

Was wäre, wenn dein inneres Kind die Führung übernommen hat. Es sendet jetzt alle unerfüllten Wünsche, die die du schon als Kind nicht satt bekommen hast.

Die Trauerzeit wird im tieferen Sinne nun Aufarbeitungszeit für deine Wunden der Kindheit. Dieser Punkt kann schon sehr heftig und anstrengend sein. Es hat mit der Existenzangst deines inneren Kindes zu tun. Das erklärt sich bei vielen Beziehungsmustern, die immer wieder den Ersatz für einen fehlenden Elternteil suchen.

Irgendwie scheint das innere Kind nicht satt zu kriegen. Der Ersatzpartner oder Lernpartner kann diesen Hunger nie stillen. Das ist eine der meist verbreiteten Illusionen innerhalb vieler Liebesbeziehungen. Niemals kann dieser Seelenhunger wirklich gestillt werden von einem anderen Menschen. Das ist schon unsere eigene Aufgabe.

In der schamanischen Heilarbeit gibt es dazu eine wunderbare Möglichkeit. Die Seelenrückholung. Da geht man davon aus, dass unsere Seele viele Anteile hat. Wenn ein Teil des inneren Kindes – wie in unserem Beispiel – nicht heilen will oder kann, dann empfiehlt es sich so eine Rückholung zu machen.

Das Ritual beginnt mit einer schamanischen Reise und der Befragung der Spirits wie viele Seelenanteile abgespalten sind. Je nach dem können einer oder mehrere Anteile liebevoll genährt und dann mit Hilfe der Erdgöttin Gaia zurück ins Seelenreich des Fragenden gebracht werden.

Für mich ist es die erfolgreichste und langanhaltendste Methode, die ich kenne. Ich habe schon viele Seelenrückholungen gemacht. Jedes Mal ist der Fragende anschließend glücklicher und erfüllter.

Die Trauer der Kindheit kann nun von der Trauer der Gegenwart genauer erkannt und unterschieden werden kann.

Viele Trauernden erinnern sich an diese innere Leere der Vergangenheit und haben innerlich resigniert. Irgendwann ist alles zu viel geworden und unsere Seele hat Verdrängung als Lösung bevorzugt. Das ist eine Zeitlang auch gut und richtig so.

Wie kannst du erkennen, ob deine Trauer mit deinem inneren Kind zusammenhängt?

 

Hier einige Erkennungsmerkmale

Es gibt natürlich individuell immer noch viel mehr … ist nur eine kleine Auswahl.

  • Wenn der Tod des Angehörigen oder Bekannten schon länger her ist und dir trotzdem immer noch Tränen hochkommen, wenn du von dem Vorfall sprichst.
  • Wenn jemand gar nicht aufhören kann über den Toten zu sprechen. Keinerlei Ruhe Es wirkt, als würde man den Tod nicht akzeptieren.
  • Wenn du dich reden hörst … und immer wieder Vergleiche mit deiner Kindheit hoch kommen.
  • Aussagen wie: das war immer so … als Kind hab ich darüber schon geweint … nie habe ich das bekommen was ich wollte … immer ich … eh klar bei mir ist das immer so … ich stehe zum Schluss alleine da …
  • Bei Wut und Zorn auf den Verstorbenen, egal wie lange er schon gegangen ist.
  • Wenn man dem Toten einfach nicht verzeihen kann, dass er gegangen (Bei Eltern, die den Tod ihrer Kinder nicht verkraften konnten.)
  • Wenn du dir die Frage „was soll ich alleine noch hier?“ öfter stellst, als es für dich gut ist.

Das sind nur ein paar Fragen … es gibt noch 100 andere … das stelle ich am besten beim Erstgespräch individuell fest. Der Mut drüber zu reden ist der erste Schritt raus aus der Negativspirale.

 

Wie mache ich weiter?

Das ist auch nach der Seelenrückholung eine zentrale Frage. Nur mit einer für dich befriedigenden Antwort kannst du dein Leben nach dem Verlust wieder erfüllen.

Ich spüre immer wieder, dass Betroffene sich überfordern. Sie erwarten, dass sie bald wieder lachen und das Leben genießen können. Ich wünsche es jedem /jeder Betroffenen, jedoch weiß ich, dass das Leben meist so nicht ist.

Nach der Phase der Aufarbeitung kommt die Entspannung. Jetzt bist du müder als je zuvor. Du wünscht dir täglich mehr Energie, jedoch brauchen deine Seele und dein Körper jetzt eine Zeit der Ruhe.

Viele Menschen, die ich hier begleite sind jetzt schon sehr ungeduldig. Es dauert ja schon so lange, manchmal Jahre.

Deine Geduld wird belohnt … versprochen!

Leider kommen jetzt auch nochmal Wellen des Schmerzes hoch. Es ist anders und trotzdem wird es Zeiten geben, wo du dich fragst, wozu soll ich jetzt aufstehen?

Nimm dir alle Zeit der Welt!

Dein Bett wird dein bester Freund, denn jetzt erst ist deine Wahrheit in dir angekommen. Ich bin allein und die Position des Verstorbenen kann niemand einnehmen. Völlig egal wer es war, ob dein Kind, dein Partner, deine Partnerin, dein Mann oder deine Frau, deine Mutter oder dein Vater.

Jede Position ist einzigartig und soll geehrt werden. Jede Seele bleibt geistig so lange bei dir, bis sie ihren geheilten Platz hat. Das kann Jahre dauern – oder ganz rasch gehen. Trotzdem ist das die wichtigste Arbeit, um anschließend wieder kraftvoll dein weiteres Leben zu erschaffen.

Nein, sie sind nicht weg!

Es gibt Seelenverträge, die Seelen eingehen, die weit über das Leben hinausgehen. Sie wirken in jedem Leben. Wenn du jetzt auch noch daran glauben kannst, deine Erinnerungen an die schmerzliche Vergangenheit geheilt ist, und du die Ruhezeit angenommen hast, dann hast du es!

Buchstäblich, bist du mit einem weiteren Schatz gesegnet. Deine Erfahrungen mit all den Tränen, der Verzweiflung und des Getrenntseins wird ein Bestandteil von dir. Du umarmst diese gelebte Trennung und integrierst sie.

Es ist, als würde sie einen fixen Platz bekommen in deiner Seelenlandschaft. Du gibst ihr einen besonders schönen Sessel auf deinem Kraftplatz.

Ja, für immer bleibst du mit der gegangenen Seele in Verbindung. Du kannst nun in Ruhe Kontakt aufnehmen. Du bist verbunden, solange es für euch förderlich ist.

Vielleicht wird irgendwann der Seelenplatz dann doch leer sein, denn dann sind alle Vereinbarungen erfüllt. Alles ist gesagt und geklärt.

Der Frieden ist in diese Beziehung eingekehrt. Dann darf diese Seele sich verabschieden und im Seelenzyklus weitergehen. Sie wird nun „unsichtbar“ für dich. Das ist dann eigentlich der größte Abschied zwischen euch beiden.

Wenn alle Reste aus dem letzten Leben im Zwischenleben – dort befinden sich Verstorbene zuerst – transformiert worden sind, beginnt erst die Vorbereitung für das nächste Leben.

Da wirst du dann absichtlich ausgeklickt. Das ist wichtig, denn du hast nun keine Aufgabe mehr und darfst dich zurückziehen. Die endgültige Trennung ist vollzogen. Dann ist alles gesagt und getan was in diesem Leben zwischen euch vereinbart war.

Herzliche Gratulation! Es ist vollbracht.

Wenn du diese Phase auch erfolgreich verstanden und gemeistert hast, dann weinst du nicht mehr.

Wie kannst du das erkennen? Am echten Frieden.

Du kannst nun von der/dem Verstorbenen sprechen ohne zu leiden. Du weinst nicht mehr bei der Erinnerung, sondern freust dich mit der transformierten Seele. Sie hat einen großen Schritt gemacht.

Jetzt erst können so geheilte Ahnen für dich kraftvoll wirken. Es ist wie ein Tunnel, den du durchschritten hast. Der Tunnel hatte kaum Licht, keine Richtung war erkennbar. Du hast nur eine Aufgabe, du musst weitergehen. Niemals stehenbleiben. Manchmal war die Dunkelheit fast unerträglich. Die Zeit hat alles von dir abverlangt. Du bist immer wieder fast selbst gestorben. Deine Tränen waren schon so bitter, dass du manchmal geglaubt hast, es wird nie enden.

Manche Seelen, die in dieser Phase verzweifeln, trauern ein Leben lang. Doch das muss nicht sein.

Irgendwann ist es gut. Irgendwann heilt auch dein Herz. Irgendwann fühlst auch du die Arme der Göttin, die dich die ganze Zeit getragen haben. Du hast es nur vor lauter Schmerz nicht mehr gemerkt.

Sie hat dich immer festgehalten, dein Tuch für die Tränen getragen, dich getröstet und mit ihrer Liebe deine Risse im Herzen geheilt. Keine Dunkelheit währt ewig.

Sie ist es, auf die du dich immer verlassen kannst. Die Göttin kann uns nicht verlassen. Wir haben sie oft vergessen, doch sie kennt uns besser und ewig ist sie unsere Stütze.

Wenn du in deinen dunkelsten Stunden auf sie vertrauen kannst, dann befreist du dich. Schritt für Schritt verlässt dich das Gefühl Vergessen worden zu sein. Die wahre Liebe vergisst niemals.

In diesen Momenten brauchst du jemanden, der dir das in Erinnerung ruft. Rede mit einer Freundin/einem Freund, der dein Herz kennt. Öffne dich wieder für die liebevollen anderen Beziehungen in deinem Leben.

 

Lass niemals zu, dass die Trauer dein Leben übernimmt.

 Sie ist wichtig und richtig zur Verarbeitung von lebensverändernden Situationen. Gerade der Tod ist so ein Moment. Jedoch ist sie nur ein Weg der Verarbeitung von tiefen Emotionen. Unglaublich wichtig und heilend.

Vielleicht jedoch gehst du eines Abends auf deinen Kraftplatz und entlässt die Trauer. Du trägst dann die Erkenntnis in dir, dass alles gelernt und verstanden ist. Mehr geht nicht und so wird sie dich wie ein Schatten verlassen.

„Ich ehre und achte meine Trauer und entlasse sie in Liebe.“

Ja, es gibt ein Ende der Trauer und der Tränen.

Der Schatten verlässt dich, du bist neu geboren. Du bist ein großes Stück weiter bei dir angekommen.

Deine Erfahrung hat dich fühlender gemacht. Du verstehst jetzt all die anderen Trauernden besser. Du wirst sie niemals verurteilen, wenn sie die Trauer hüten wie einen Schatz.

Vielleicht glauben sie ja …  ich habe sonst nichts mehr … von diesem Menschen … durch die Trauer kann ich die Vergangenheit aufrechterhalten … dann bin ich nicht so allein.

Dann bist du dran. Du bist gerufen, es weiter zu erzählen. Ja, es gibt ein Ende des Tunnels und die Göttin trägt uns da durch!
Jeden von uns.
Für immer und immer.

Das alte Versprechen gilt   – für immer. Und deine Umarmung kann dem Anderen die Möglichkeit der Hoffnung geben – also umarme!

Mit diesen hoffnungsvollen Zeilen verabschiede ich mich für heute.

Manchmal reicht es zu wissen, dass du irgendwann wieder lachen wirst. Frei und mit einem Erfahrungsschatz an Tiefe und Hingabe wie nie zuvor.

Das wünsche ich dir von ganzem Herzen.
Wenn du Hilfe brauchst bei einem oder mehreren Schritten, ich bin da.
Einfach anrufen, dann finden wir deinen persönlichen Weg zurück in dein Licht.

Herzliche Drachengrüße
Deine Elisabeth
Maaryam die Drachenfrau
Essenerin

 

 

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